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Der Drachenprinz

Märchen, Sagen und Geschichten aus der Mitte Deutschlands.

Der Küpfscheider Spukgeist

Der Küpfscheider Spukgeist

Johann Hubert Schmitz

Bereits im Dämmerlicht des Waldes spielen die Sinne des Menschen oft Streiche. Die Umrisse der Äste und Büsche verschwimmen zu manch grausiger Erscheinung. Geräusche knackender Äste oder sich emsig nach Beute umsehender Tiere werden oft als bedrohlich wahrgenommen. Dieser Effekt wird in der Dunkelheit noch um ein vielfaches verstärkt. Ob es die drei Köhler in der vorliegenden Sage tatsächlich nur mit einer Sinnestäuschung zu tun haben, kann nicht mit Gewissheit bestätigt werden.

Carolin Eberhardt

In dem einstig als „Küpfscheid“ bezeichneten Waldstück zwischen Übersdorf und Bieckhausen, bei dem sogenannten „großen Sur“, soll es laut der Volkssage spuken. Oft kam es vor, dass Wanderer, die daran vorüberkamen, die Bäume derart krachen hörten, dass sie befürchten mussten, sie würden jeden Augenblick erschlagen werden. Ein anderes Mal schlugen die Äste wild durcheinander oder ein ungewöhnliches Pfeifen der Vögel wurde vernommen. Zuweilen berichteten Leute, dass sich ihnen ein langer Klotz oder ein anderes Hindernis wie von Zauberhand in den Weg legte, so dass sie zur Umkehr gezwungen waren.

Am Abend eines Karfreitages trug es sich einst zu, dass ein Köhler mit seinen Söhnen eben dort Bäume fällte. Er sagte zu seinen Söhnen: „Heute gehen wir in die Abendandacht.“. Die Söhne aber überredeten den Vater auf Grund des schönen Wetters bis spät in den Abend zu arbeiten und ihr Nachtlager im Walde aufzuschlagen. Nach Einbruch der Dunkelheit nun saßen die Köhler gemeinsam an einem Lagerfeuer, um sich aufzuwärmen, als sie ein lautes Wolfsgeheul vernahmen. Der Vater scherzte daraufhin: „Der ruft seine Jungen.“ Doch, ohne weitere Vorankündigung, sahen die drei plötzlich ein Ungeheuer vor sich, welches sich bald auf den Füßen, bald auf dem Kopf vorwärts bewegte und dabei die verschiedensten und fürchterlichsten Töne von sich gab. Die drei Köhler packte das nackte Grauen und sie flüchteten so schnell sie ihre Füße trugen in ihr Heimatdorf. Selbst von dort vernahmen sie von weitem noch das schauerliche Geheul.

nacherzählt von Carolin Eberhardt

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Textquelle:

Schmitz, Johann Hubert (Hrsg.): Sitten und Sagen, Lieder, Sprüchwörter und Räthsel des Eifler, nebst einem Idiotikon, Trier: Druck und Verlag der Fr. Linz'schen Buchhandlung,1856.

Bildquellen:

Vorschaubild: bäume-wald-geheimnis-dunkel, 2017, Urheber: nandn via Pixabay CCO.

wald-mann-märchenhaft-mystisch, 2017, Urheber: Mysticsartdesign via Pixabay CCO.

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