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In der Mitte des 18. Jahrhunderts ist der venezianische Kaufmannssohn eine europäische Berühmtheit.

Schimmelreiter

Schimmelreiter

Johann Hubert Schmitz

Die norddeutsche Sagengestalt des Schimmelreiters entstammt noch aus den Zeiten, in denen die Menschen den germanischen Gottheiten huldigten. Vielerorts in ganz Deutschland wurde über das Erscheinen eines solchen Reiters berichtet. Nicht nur viele Spukgeschichten sind davon bekannt, laut der Überlieferung hat sich die Gestalt des Nikolaus, welcher am 6. Dezember die Kinder besucht, aus dieser mythologischen Gestalt entwickelt.

Carolin Eberhardt

Zwischen Kirchweiler und Hohenfels befindet sich eine Hochebene namens „Heiligenfeld“. Besagte Ebene erhielt ihren Namen in Folge einer Schlacht des dreißigjährigen Krieges gegen die Schweden. Laut der Überlieferung sollen die Gefallenen des Gefechts an dieser Stelle begraben liegen. Ebenso wurde den tapferen Landesgenossen wohl ein altes steinernes Kreuz auf einem Mühlsteine am Kreuzwege errichtet.

Auf dieser Ebene nun hat sich allnächtlich ein kopfloser Reiter auf einem Schimmel erblicken lassen, welcher galoppierend den westlich gelegenen Steinbrüche stürzt, woraufhin ein Gewimmer und Geheul zu vernehmen wäre.

Johann Thielen aus Kirchweiler berichtete darüber folgendes: „Es war im Winter, des Nachts gegen elf Uhr, als ich von Hohenfels weg und über das Heiligenfeld ging, um mich nach Hause zu begeben. Da galoppierte der Schimmel dicht an mir vorbei und ich nahm einen Modergeruch wahr. Indem ich laufen wollte, fühlte ich meine Glieder von Schrecken wie gelähmt und mich festgebannt. Ich schaute nun nach dem Kreuze hin und erblickte eine seltsam aussehende Gestalt, welche gerade auf mich zukam. Ich lief den Berg hinab, bis zu dem anderen unten stehenden Kreuze, und, indem ich angstvoll nach dem oben stehenden Kreuze hinsah, gewahrte ich die Gestalt an demselben kauernd. In demselben Augenblick empfand ich einen krampfhaften Schmerz an dem rechten Kiefergelenke und der Mund blieb mir von dieser Stunde an verzogen.“

Ein anderer Schimmelreiter trieb wohl anderenorts sein Unwesen. Im einstigen Regierungsdistrikt Geißbüsch, auf der Grenze zwischen Nieröfflinger und Gipperather Bande, hat in Vorzeiten ein umfangreiches Gebäude gestanden, wie die Überreste an des Fundamentes an dieser Stelle erahnen lassen. Überliefert ist zu dem einstigen Anwesen, dass dieses von Tempelherren bewohnt wurde. An dieser Stelle, so erzählt die Volkssage, wurde des Öfteren ein auf einem weißen Pferd sitzender Mann gesichtet, welcher querfeldein, ohne Beachtung der Wegmarkierungen, in Richtung des Standortes einer ehemaligen Mühle ritt. Eine zur früheren Zeiten in Niederöffling ansässige alte Jungfrau beteuert, sie habe an einem Sonntag im Juli, als sie das Vieh an jener Stelle hütete, an eben dieser Stelle ebenfalls den mysteriösen Mann auf dem Schimmel zur Mühle hin reiten sehen. Als sie aber in dem hohen Gras die Spuren von Pferd und Reiter betrachten wollte, fand sie dort keine vor.

Die Volkssage in Bleialf und Umgegend erzählt, dass diese Reiter des Nachts als böses Omen von großen Unglücken erschienen seien. Vermehrt wurden solche Gestalten in der Gegend von Büddesheim gesichtet, wo es lange Zeit noch hieß: „An der Schammelbach kommt das Schammelmännchen.“

nacherzählt von Carolin Eberhardt


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Textquelle:

Schmitz, Johann Hubert (Hrsg.): Sitten und Sagen, Lieder, Sprüchwörter und Räthsel des Eifler, nebst einem Idiotikon, Trier: Druck und Verlag der Fr. Linz'schen Buchhandlung,1856.

Bildquellen:

Vorschaubild: Basler-Kopp Schimmelreiter, Datum unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Ichabods chase crop, 1849, Urheber: F.O.C. Darley via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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