Rheinland-Pfalz-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.rheinland-pfalz-lese.de
Unser Leseangebot

Astrid Koopmann/ Bernhard Meier
Kennst du Erich Kästner?

Ist das dort nicht Kästner, Erich Kästner? Ich habe gehört, er war gerade auf großer Reise - Dresden, Leipzig, Berlin, München oder so. Soll ich dich mit ihm bekannt machen? Kästner mal ganz privat! Er hat immer eine Menge spannender Geschichten auf Lager.

Keschde

Keschde

Herbert Kihm

sie sind in der Pfalz allgegenwärtig: an Wanderwegen, zum Wein, in Stadtwappen und – sogar in der Kunst.

„Vor dem von Doppelsäulchen getragenen Rundbogen des Klostereinganges von Mariabronn, dicht am Wege, stand ein Kastanienbaum, ein vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht, eine Edelkastanie mit starkem Stamm; zärtlich hing ihre runde Krone über den Weg, atmete breitbrüstig im Winde, ließ im Frühling, wenn alles ringsum schon grün war und selbst die Klosternußbäume schon ihr rötliches Junglaub trugen, noch lange auf ihre Blätter warten, trieb dann um die Zeit der kürzesten Nächte aus den Blattbüscheln die matten, weißgrünen Strahlen ihrer fremdartigen Blüten empor, die so mahnend und beklemmend herbkräftig rochen, und ließ im Oktober, wenn Obst und Wein schon geerntet war, aus der gilbenden Krone im Herbstwind die stacheligen Früchte fallen, die nicht in jedem Jahr reif wurden, um welche die Klosterbuben sich balgten und die der aus dem Welschland stammende Subprior Gregor in seiner Stube im Kaminfeuer briet. Fremd und zärtlich ließ der schöne Baum seine Krone überm Eingang zum Kloster wehen, ein zartgesinnter und leicht fröstelnder Gast aus einer anderen Zone, verwandt in geheimer Verwandtschaft mit den schlanken sandsteinernen Doppelsäulchen des Portals und dem steinernen Schmuckwerk der Fensterbogen, Gesimse und Pfeiler, geliebt von den Welschen und Lateinern, von den Einheimischen als Fremdling begafft.“ (Hermann Hesse, Narziss und Goldmund, Erstes Kapitel)

Verlassen wir diese poetischen Gefilde und widmen uns den prosaischen Aspekten zu, die uns letztendlich aber wieder zurückführen werden auf einen weiteren sinnlichen Genuss, denn der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Brot allein, sondern auch von anderen Gaumenfreuden.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Edelkastanie, pfälzisch: Keschde

Botanik:

Die Esskastanie (Castanea sativa) gehört zu den Buchengewächsen und hat verwandtschaftlich nichts mit der Rosskastanie (Aesculus L.) zu tun, deren Früchte auch nicht zum Verzehr geeignet sind.

Geschichtliches:

Der Baum stammt wohl ursprünglich aus der Region des Kaukasus und /oder Kaspischen Meeres und wurde wie der Wein von den Römern nach Deutschland gebracht.

Im milden Klima der Pfalz konnten die mediterranen Bäume gut gedeihen und reihen sich mittlerweile so dicht aneinander, wie sonst kaum nördlich der Alpen.

Rund um Schloss Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben befindet sich sogar der größte Kastanienwald Deutschlands.

Der bayerische König Ludwig I. scheint es gewusst zu haben, als er sich seine Villa in die –wie er selbst sagte– „schönste Quadratmeile seines Reiches“ bauen ließ. (Die Pfalz und Teile des Saarlandes gehörten bekanntlich nach dem Wiener Kongress zum Königreich Bayern) Auch rund um den Slevogt Hof oberhalb von Leinsweiler, findet man zahlreiche Keschdebäume. Max Slevogt (1868-1932), der bedeutende Pfälzer Maler, der zu den Hauptvertretern des deutschen Impressionismus zählt, fühlte sich dort heimisch.

Das Leben in der Region war hart in vergangen Zeiten, wie die Auswanderungen aus diesen Zeiten belegen. Die Böden dort waren karg und warfen kaum Ertrag ab. Die neuen Siedler, wie die Hugenotten, die hier einwanderten, aber natürlich auch die ansässige Bevölkerung bestellten anspruchslose Kartoffeln und lebten von allem, was der Wald für sie hergab: Beeren, Pilze und eben auch Esskastanien.

Waren die Früchte, die auch Maronen genannt werden, der Esskastanie also früher ein Armeleuteessen, so haben Köche Gerichte damit heutzutage längst zu einer Delikatesse verfeinert.

Keschdefeste und Keschdemärkte (eine Auswahl):

Hauenstein:

Der älteste Keschdemarkt der Pfalz hat natürlich alles rund um die Pälzer Keschde zu bieten. Der Metzger offeriert Keschdesaumagen und Keschdeworscht, aus der Backstube kommen Keschdebrot, Keschdeweck und Keschdekuchen.

Auf dem Markt gibt es Keschdelikör, Keschdegeist, Keschdesenf, und vom Konditor die Keschdepralinen. Ein absolutes Geschmackserlebnis auf dem Kastanienmarkt ist die Keschde geröstet über der Holzkohlenglut.

Annweiler am Trifels:

Beim Keschdefeschd in Annweiler am Trifels bieten zahlreiche Stände Gerichte und Produkte von und mit der Esskastanie an. Es gibt süße und deftige Variationen, zum Beispiel Kastanienmarmelade, Kastanienlikör, Kastaniensaumagen, Kastaniensuppe, Kastanienflammkuchen, Kastanienbrot, Kastanienbier oder Kastanienknödel.

Am Festsamstag um 14.00 Uhr wird die Kastanienprinzessin für das Trifelsland gekrönt, die einzige in Deutschland.

Edenkoben:

Idyllisch gelegen im Umfeld von Schloss Villa Ludwigshöhe, beschirmt von mächtigen Kronen zahlreicher Edelkastanienbäume, lockt der Markt zahlreiche, interessierte Besucher an. Der Edenkobener Wein- und Kastanienmarkt bietet vielfältige und "keschdliche" Angebote, rund um die Pälzer Keschde, gepaart mit Wein, Federweißem und frischem Traubensaft.

Pälzer Keschdewanderweg:

Der rund 60 km lange Wanderweg führt Sie durch das Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald hinaus ins sonnige Weinland.

Dabei verläuft der Weg immer wieder durch Kastanienwald, der sich am Rande des Pfälzerwalds in einem breiten Streifen parallel zur Weinstraße erstreckt.

Ausgangspunkt ist Hauenstein. Man wandert vorbei an bizarren Felsformationen über Lug und Wernersberg nach Annweiler am Trifels. Entlang des Annweiler Kurparks führt der Weg Richtung Madenburg und bei Eschbach dann an die Weinstraße Richtung Albersweiler.

Weiter geht es am Waldrand durch Frankweiler, Gleisweiler, Burrweiler vorbei an der Villa Ludwigshöhe über Edenkoben.

Von Schloss zu Schloss wandert man weiter so über St. Martin zum Hambacher Schloss bis nach Neustadt an der Weinstraße – wobei man überall jede Menge Gelegenheiten hat, eine gemütliche Pause einzulegen, um sich bei Wein und leckeren Gerichten für den Weitermarsch zu stärken.

Kulinarisches rund um die Keschde:

Nicht nur weil meine Mutter aus der Pfalz stammte, sondern auch auf Grund familiärer Bindungen nach Hauenstein, ist mir natürlich der herbstliche Genuss von Keschde und Federweißem geläufig.

Wie man bei der Aufzählung der Angebote bei den Keschefesten und Keschdemärkten bereits lesen konnte, gibt es eine Unzahl von Gerichten mit diesen Nussfrüchten. Rezepte dazu findet man in großer Zahl im Internet, z.B. auf dieser Seite: https://www.pfalz-info.com/kastanien-keschde-rezep...

Ich möchte mich hier zum Schluss auf ein Rezept beschränken, das ich für Carolin E. ausgesucht habe.

Keschdesupp:

Die vegetarische Keschdesupp ist ein kräftiges und wärmendes Erlebnis in der Winterzeit. Sie ist eine beliebte Suppe, nicht nur in der Pfalz. (Rezept aus kochwiki.org)

Zutaten:

  • 1 Schalotte
  • 400 g küchenfertige oder 500 g ganze Keschde
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 500 ml fruchtiger Weiß- oder Rotwein, z. B. ein guter Grauburgunder
  • 3 EL Sahne
  • 1 Stück Butter
  • Ggf. 1 TL Zucker
  • Salz und Pfeffer
  • Zubereitung:

  • Werden ganze Maronen verwendet, wird erst die äußere Schale mit einem scharfen Messer entfernt. Dann werden die Kastanien so lange in Wasser gekocht, bis sich die pelzige innere Schale lösen lässt. Dabei am besten portionsweise vorgehen.
  • Die Schalotte in halbe Ringe schneiden.
  • Die Butter im Topf bei mittlerer Hitze zerlassen und mit dem Zucker verrühren.
  • Die Schalotte ein paar Minuten anschwitzen.
  • Die Maronen darin anbraten.
  • Mit den Flüssigkeiten ablöschen und zehn Minuten köcheln lassen. Frische Esskastanien sollen etwa 30 Minuten köcheln.
  • Die Sahne einrühren und mit dem Pürierstab zu einer cremigen Suppe pürieren.
  • *****

    Vorschaubild: Frucht der Edelkastanie, 2004, Urheber: Benjamin Gimmel via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

    Weitere Beiträge dieser Rubrik

    Weck, Worscht un Woi
    von Herbert Kihm
    MEHR
    Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen