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Frank Meyer

Raum 101
Erzählungen über Männer

Von dem Konflikt mit dem Vater beim Froschschenkeljagen, den abenteuerlichen Gefühlen einer Kinderliebe, den bleibenden Momenten mit dem besten Freund, die erschütternden Erlebnisse beim Bund...teils einfühlsam, teils derb erzählen die Geschichten dieser Sammlung, wie Jungen und Männer sich in verschiedenen Lebensabschnitten bewähren... oder wie sie versagen. 

Weck, Worscht un Woi

Weck, Worscht un Woi

Herbert Kihm

Ein kulinarischer Dreiklang

Vorwort: Hiermit möchte ich mich für die gezeigte Aufgeschlossenheit der Webmaster/Webmasterin/ Webdings dieser Webseite bedanken, die es erlaubt hat, dass ein gebürtiger Saarländer einen Artikel über Pfälzer Heiligtümer veröffentlicht – vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass die Verantwortliche(n) sich dieser Brisanz gar nicht bewusst sind – dann umso besser. Allerdings nehme ich mir die Freiheit, da ich auf eine Pfälzer Mutter verweisen kann.

Bevor wir nun zu diesem kulinarischen Dreiklang (s. Überschrift) kommen, werfen wir einen Blick auf die typischen Trinkgefäße für den „Pälzer Woi“ – wobei hier mit „dem Pälzer Woi“ natürlich ein guter Schoppenwein gemeint ist.

Die kleinste Volumeneinheit, die man zum Weintrinken, ich vermeide hier das Wort Weingenuss, benutzen kann ist das „Piffche,“ welches mal gerade 0,1l beinhaltet. Das Piffche ist für stille Genießer gedacht und nicht für Schluckspechte.

Dazu passt eine Anekdote aus der Zeit, als wir als Studenten in Blieskastel in der damaligen Weinstube dem Pfälzerwein zusprachen. Ein guter Freund, der später katholischer Pfarrer wurde, bestellte lediglich ein „Piffchen“ pro Runde, was die Bedienung wie folgt kommentierte:“ Doo hann mir frieher meh beim Serviere veschitt, wie du trinkscht!“ (Hochdeutsch: „Da haben wir früher mehr beim Servieren verschüttet, als du trinkst!“)

Ein wahrer Verehrer des Gottes Bacchus trinkt nämlich aus einem Schoppeglas bzw. einem Dubbeglas, gemäß dem Spruch: „E gudder Pälzer Woi, der laaft eloi in moi Hals e noi!“

Ein echter Schoppen enthält im Normalfall 0,5l Wein in einem zylindrischen Glas mit glatter Außenseite. Ist das Glas auf der Außenseite mit runden Vertiefungen (Dubbe) versehen und verbreitert sich nach oben, dann handelt es sich um ein Dubbeglas. Angeblich wurde das griffige Glas von Metzgern aus Bad Dürkheim erfunden, da die glatten Stangengläser bei den Schlachtfesten leicht aus den fettigen Händen flutschten.

Vorsicht ist geboten, wenn Sie einen „Schoppe“ in Rheinhessen (Rheinhessen ist eine Region von Rheinland-Pfalz zwischen der Pfalz und dem Rhein, wichtigste Städte sind Mainz und Worms) bestellen, dort hat der „Schoppe“ nur 0,4l statt der eigentlichen 0,5l!

So, nachdem die Getränkefrage geklärt ist, kommen wir zum Essen:

Weck, Worscht un Woi war und ist eine traditionelle Zwischenmahlzeit bei der Weinlese oder sonstiger Arbeiten im Weinberg. Das einfache Gericht besteht dabei meist aus einem Doppelweck. Auf oder besser in den Weck kommt die Worscht, hier meist Fleischwurst. Als Besteck benötigt man lediglich ein (Taschen-)Messer und gegebenenfalls einen Korkenzieher. Getrunken wird – na, logischer Weise - aus einem Dubbeglas.

Traditionell ist Weck,Worscht und Woi auch mit der Mainzer Fastnacht verbunden. So ist eine der Zugnummern auf dem Rosenmontagszug die Fußtruppe der Weck-Wortscht-un Woi-Träger des MCV, die ein dem römischen Feldzeichen entlehnte Standarte mit den Einzelbestandteilen, also Weck, Worscht un Woi, mitführen.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Weck, Worscht un Woi, 2006, Urheber: Kandschwar, via Wikipedia Commons CC-BY-SA 3.0.

Traditionelles Pfälzer Weinglas, "Dubbeglas", 2005, Urheber: Peisi via Wikipedia Commons public domain.

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