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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Ein Zweibrücker steht in der ersten Reihe im Kapitol von Washington

Ein Zweibrücker steht in der ersten Reihe im Kapitol von Washington

Herbert Kihm

Bevor wir uns mit diesem berühmten Zweibrücker – den sicherlich aber die wenigsten Zweibrücker kennen werden - näher beschäftigen, sind sicherlich ein paar Information zuvor angebracht.

Die Stadt Zweibrücken, rheinland-pfälzische Grenzstadt zum Saarland, war die Residenz der Herzöge von Zweibrücken. Parenthetisch: Die Könige von Bayern und die Herzöge in Bayern und alle heute lebenden Wittelsbacher entstammen dieser Linie.

Christian IV. (* 16. September 1722 in Bischweiler, heute Bischwiller; † 5. November 1775 auf Schloss Pettersheim), einer der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken, ging 1751 eine „ Trauung zu linker Hand“ (morganatische Ehe) mit der Französin Marianne Camasse (1734–1807), spätere Gräfin von Forbach, ein, die er ein Jahr zuvor als sechzehnjährige Tänzerin am Mannheimer Theater kennengelernt hatte. Da die Gültigkeit dieser Eheschließung unklar war, wurde sie am 3. September 1757 noch einmal wiederholt. Christian und Marianne hatten zusammen sechs Kinder (s. auch Maria Johanna Francisca Camasse, Gräfin von Forbach).

Christian von Forbach, wie der erstgeborene Sohn Christians IV. mit dem Titel seiner Mutter hieß, schlug indes wie viele andere nicht erbberechtigte junge Adelige seiner Zeit eine Offizierslaufbahn ein – und was lag näher als in das von seinem Vater rekrutierte „Deutsche Königlich-Französische Infanterie-Regiment von Zweybrücken oder Royal Deux-Ponts“ einzutreten. Er machte schnell eine militärische Karriere und wurde von König Ludwig XVI. zum Marquis und 1777 sogar zum Maréchal de camp erhob.

Das Regiment wurde am 4. April 1780 nach Amerika eingeschifft. Im Hilfskorps des Generals Rochambeau kämpften 1781 Christian von Zweybrücken und sein Bruder Wilhelm von Zweybrücken (1754–1807), mit ihrem Regiment auf Seiten der USA, im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Dort nahm er im Herbst 1781 an der den Unabhängigkeitskrieg zugunsten der USA entscheidenden Schlacht um Yorktown teil, wo sein Regiment – geführt vom jüngeren Bruder Wilhelm – am 14. Oktober eine wichtige Stellung der Engländer einnahm, worauf sich die britische Südarmee fünf Tage später ergeben musste. Diesen Umstand greift das berühmte, 1820 geschaffene Gemälde „Surrender of Lord Cornwallis“ („Kapitulation des Lord Cornwallis“) auf, das seit 1826 als eine Ikone der US-amerikanischen Geschichte in der Rotunde des State-Capitol-Gebäudes in Washington D.C. hängt – und das, und jetzt kommen wir zu der Erklärung der Überschrift, „Christian, Count Deuxponts“ einen Ehrenplatz ganz vorne in der ersten Reihe einräumt.

Auf dem Gemälde ist Freiherr Christian von Zweybrücken am linken Bildrand neben General Mathieu de Montmorency-Laval rechts daneben abgebildet.

Nach der französischen Revolution wurde das Regiment am 21. Juli 1791 aufgelöst. Er trat aus französischen Kriegsdiensten aus, verzichtete auf den Titel Marquis und erhielt aber am 31. Januar 1792 von Pfalzgraf Karl II. August den Titel „Freiherr von Zweybrücken“.

Zweybrücken trat am 1. Januar 1792 in preußische Dienste, wurde mit Patent als Generalmajor angestellt und nahm an den Feldzügen gegen Frankreich 1794–97 teil.

Am 20. Juni 1799 erhielt er die Erlaubnis, in kurfürstlich-bayerische Dienste treten zu dürfen. Er war mit Adelaide-Françoise de Béthune-Pologne (1761–1823) aus dem Haus Béthune verheiratet, die er 1783 in Versailles geehelicht hatte. Christian von Zweybrücken starb mit zahlreichen Auszeichnungen hochgehrt am 25. Oktober 1817 in München.

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Bildquellen:

Vorschaubild: Christian Freiherr von Zweybrücken (1752-1817) , Pfälzisches Museum, Heft 11/12,1922,S.277 des Jahrgangs, Quelle: Historischer Verein der Pfalz, zeitgenössischer Maler, um 1805, via Wikipedia Commons, gemeinfrei.

John Trumbull (1756-1843), Surrender of Lord Cornwallis, painting, Rotunda of the US Capitol, Washington D.C., via Wikipedia Commons, Gemeinfrei.

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