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Sabine Gruber und Ralph Zade
Wiesbaden
Die 99 besonderen Seiten der Stadt
Reiseführer

Hier gibt es gleich zwei Schlösser, eines in der Innenstadt, eines in Biebrich, große und kleine Museen zu Kunst, Geschichte und vielem mehr, eine Spielbank, in der schon Dostojewski sein Geld verlor, eine Villa, in der Brahms eine Symphonie komponierte, eine Kirche, in der Martin Niemöller predigte, und ein Bahnhofsgleis, das für Kaiser Wilhelm II. reserviert war. Landeshauptstadt von Hessen, Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Nassau, Weltkurstadt, Stadt des Historismus, Stadt des Films und Stadt des Kirchenbaus, stets weltoffen – das alles ist Wiesbaden.

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Römerbrücke Trier

Römerbrücke Trier

Dr. Michael Pantenius
Rudolf Voigtländer

Standfest im Strom

Die etwa im Jahr 144 n. Chr. erbaute Römerbrücke über die Mosel soll die älteste in Deutschland sein. Sie gilt als die älteste nördlich der Alpen. Da protestieren die Franzosen! Ihr Pont Ambroix über das Flüsschen Vidonrie bei Languedoc-Roussilon stammt zwar aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Aber: Von ihm steht nur noch ein attraktiver Bogen auf zwei Pfeilern. Über Triers erste Brücke aber rollt noch heute – also seit rund 1.900 Jahren! – der Verkehr. Und wie!

Das hohe Alter ist ein Wunder, denn an Feinden hat es der Felix Augusta, der glücklichen Stadt des Kaisers Augustus, der Urbs „Augusta Treverorum“, so wenig gefehlt wie an reißenden Hochwassern, an Stürmen und Granaten. Viele Gewalten haben sich bemüht, die Brücke zu zerstören. Oberflächlich ist ihnen das hin und wieder auch gelungen. Aber die Römer haben ihre Pfeiler mit mächtigen Basaltquadern im Strom so gut gegründet, dass das Bauwerk alles überlebt hat. Wie das? Forschungen haben bewiesen: In unmittelbarer Nähe der Brücke hatten die Römer schon um das Jahr 17 v. Chr. einen hölzernen Übergang über die Mosel geschlagen. Er diente offenbar als Arbeitsbühne für die Steinbrücke. Das Alter der gefundenen Eichenstempel kann dank dendrologischer Analysen so genau datiert werden. Damit ist auch bewiesen, dass Trier als feste Siedlung schon um diese Zeit bestanden hat, denn für die Legionäre des römischen Militärlagers auf dem nahen Petrisberg hätte die nahe Furt gereicht. Die Römer bauten aber eine grundsolide Brücke! Damit auf ihr Wagen, beladen mit Handelsgütern, nach Norden rollen konnten. Und in die Stadt kamen die Produkte aus der nahen Eifel.

Im Laufe der Jahrhunderte hat das Bauwerk zwar Veränderung erfahren, der Gesamteindruck jedoch blieb unverfälscht. Auf den Pfeilern ruhte zunächst nur eine flache, hölzerne Fahrbahn, die schönen Bogen stammen aus dem 14. Jahrhundert. Damals wurden auch zwei der ursprünglich neun Pfeiler abgerissen, denn die Brücke musste in die Stadtmauer einbezogen werden. Ihrer Schönheit hat das nicht geschadet.

Und die Feinde? 1689, unter Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, der eine Zeit lang Herr auch über Trier war, wurden die Fahrbahnen so stark zerstört, dass sie praktisch unpassierbar waren. Die Trierer – es gab nur noch 2.600 Einwohner in der Stadt – behalfen sich mit Fähren, die Furt kam auch zu neuen Ehren. Erst 1716 rollte der Verkehr wieder. Doch 1945 wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen. Deutsche Pioniereinheiten hatten die gesamte Brücke zur Sprengung vorbereitet. Wie diese Untat verhindert werden konnte, ist noch immer ein Thema in der Stadt. Ein Dutzend Männer will – jeweils als Einzelkämpfer! – am 2. März 1945 die amerikanischen Vorauskommandos auf die Sprengkästen aufmerksam gemacht haben.

Die Römerbrücke gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Das ist für Touristen von Interesse. Die Trierer sehen mehr den praktischen Nutzen. Und der bestand über Jahrhunderte auch in einer recht profanen Tätigkeit. Aufs Wasser gucken und – Angeln.


Adresse:

Römerbrücke

UNESCO Weltkultur­erbe

St.­Barbara­Ufer/Aachener Straße

54294 Trier

www.welterbe­trier.de


*****

Texte und Bilder entnommen aus:

Pantenius, Michael; Voigtländer, Rudolf: Trier, die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016.

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