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Neuer Feminismus? – 104. Ausgabe der allmende – Zeitschrift für Literatur
Herausgegeben von Hansgeorg Schmidt-Bergmann im Auftrag der Literarischen Gesellschaft, Karlsruhe
Redaktion: Matthias Walz und Hansgeorg Schmidt-Bergmann
39. Jahrgang

Über den Feminismus spricht man wieder. Musikerin Beyoncé hat ihn in die Bildsprache eines ihrer Alben aufgenommen, Millionen von Frauen gehen beim »Women’s March« für Frauenrechte auf die Straße und die #MeToo-Bewegung hat sexuelle Nötigung zu einem globalen Thema gemacht und damit das Geschlechterverhältnis verändert.

Doch was beinhaltet der sogenannte »neue« Feminismus? Was ist »neu«, was hat sich gegenüber einem »traditionellen« Feminismus geändert? Neben der Skizzierung theoretischer Positionen reflektieren Autorinnen und Autoren in der Ausgabe ihre Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb.

Mit Beiträgen von Doris Anselm, Giulia Becker, Isabella Caldart, Sonja Eismann, Anna Gien, Lena Gorelik, Caroline Rosales, Mithu Sanyal, Lea Sauer, Marlene Stark, Jasna Strick, Bettina Wilpert und anderen.

Kirche St. Gangolf Trier

Kirche St. Gangolf Trier

Dr. Michael Pantenius
Rudolf Voigtländer

Ein Turm über dem Häusermeer

Eine Kirche, die frei auf einem Platz steht – das gab es kaum in mittelalterlichen Städten. Der Raum innerhalb der Mauern war äußerst knapp, die Bürgerhäuser duckten sich im Schatten hoher Kirchenmauern. Von diesen Gotteshäusern sieht man auf den ersten Blick nichts als die Türme. Das heute seltene Bild bietet St. Gangolf, die erste Pfarrkirche der Stadt, noch immer. Sie wurde zwar vom Erzbischof Heinrich I. 958 errichtet, aber dennoch stand sie stets in Opposition zum älteren Dom. 1507 kam es zum Eklat: Zwei Witwen (gelegentlich heißt es, nur die des Bürgermeisters) stifteten viel Geld, um den Westturm um weitere zwei Geschosse unter einem spitzen Helm „aufzurüsten“. Damit war er höher als der Dom! Der Erzbischof war gar nicht amüsiert. Doch er gewann – kraft ausreichender Kollekten – den Wettstreit mit den bürgerlichen Geistern. Vier Jahre später war die alte Ordnung wieder hergestellt. Vielleicht stimmt diese merkwürdige Erzählung.

Aus der bewegten Baugeschichte des Hauses hat sich viel Sehenswertes erhalten: Maßwerksfenster aus dem 13. Jahrhundert, eine Kreuzigungsgruppe (14. Jh.) und in den Seitenschiffen eine prächtige Rokokodecke …

Betreten kann man die Kirche über einen Portalbau von 1731 und den winzigen Friedhof. Wer nach oben schaut, sieht den Patron des Gotteshauses, den streitbaren Heiligen Gangolf. Wieso die Bürger diesen Heerführer aus Burgund wählten, scheint ein Geheimnis: Er wurde von einem Priester, der seine Frau verführt hatte, ermordet.

Adresse:

Kirche St. Gangolf

Hauptmarkt 9

54290 Trier

Tel.: 0651 170790

www.trier­info.de/



*****

Texte und Bilder entnommen aus:

Pantenius, Michael; Voigtländer, Rudolf: Trier, die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016.

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